Nov 072011
 

Nach der ganzen Aufregung in der vergangenen Woche (s. netzpolitik.org) und den Äußerungen von DatenschützerInnen und ‘ner ganzen Menge anderer Leute gehe ich ja eigentlich davon aus, dass eine Software der deutschen Schulbuchverlage niemals ihren Weg auf Rechner bzw. “Server” (hüstel) in Schulen finden wird… Und zum Schultrojaner an sich haben ‘ne Menge kluger Leute schon ‘ne Menge kluge Sachen geschrieben.

ABER:

Das Ganze wirft zumindest bei mir grundsätzliche Fragen bzgl. gedruckten Materials auf, auf die ich in meiner grenzenlosen Naivität und v.a. in meinem Bestreben, möglichst guten Unterricht zu machen, niemals gekommen wäre:

  • Ein/e LehrerIn darf nur 20 Kopien einer Schulbuch-/Schulwerkseite erstellen?
    • Was ist mit den KollegInnen, die mehr als 20 SchülerInnen in einer Klasse haben (was – im Gegensatz zu unserer Schule – bei den meisten der Fall sein dürfte)?
    • Was ist, wenn bspw. ein Lied in nicht nur in einer Klasse sondern in allen drei Klassen eines Jahrgangs einstudiert werden soll, um bspw. einen richtig schönen Kanon hinzubekommen?
    • Und darf also ein Lied in einer ganzen Schulkarriere nur 20 Mal kopiert werden?
    • Wie ist das eigentlich, wenn 2 KollegInnen je 20 Kopien erstellen – dürfen die das? Wenn ja – oh prima, dann könnten ja alle KollegInnen füreinander kopieren, dann haut auch alles wieder hin mit den Klassenstärken, Jahrgängen usw. :-/
  • Ach ja, und dann sah ich mir neulich meine überquellenden Regale im Arbeitszimmer (zu Hause natürlich) an, und dachte: ,Nein, dass ich mir jetzt eine größere Wohnung wegen meiner Arbeit mieten muss, geht entschieden zu weit; ich werde mir vornehmen, alles zu digitalisieren, was ich dort stehen habe!’ – Ha! Das darf ich ja gar nicht, weiß ich nun. Also doch die größere Wohnung???
  • Ach, und, sehr häufig erstelle ich mir selbst das, was ich im Unterricht benötige. Meist, weil in den seltensten Fällen vorliegendes Verlagsmaterial auf meine Lerngruppe passt. Häufig auch, weil das vorliegende Verlagsmaterial nicht unbedingt etwas taugt (weshalb ich schon mehrfach hörte, ich solle meine Sachen doch an Verlage verkaufen!). Allerdings kann ich mir vorstellen, dass Teile daraus nützlich sein könnten – z.B. Grafiken oder “Hinweisreize” (also bspw. den Kindern beim Lernen helfende Symbole, weil sie den Kindern bereits bekannt sind). – Ha! Auch das darf ja gar keine/e LehrerIn! [irgendwie hat entweder auf dem Zettel über dem Schulkopierer nichts von "Digitalisaten" gestanden oder ich hab's schlicht überlesen... Mir war das jedenfalls völlig neu.]
  • Und überhaupt – ich hatte mir das so schön und praktisch vorgestellt: Wenn denn irgendwann unser schulinternes Curriculum fertig ist – digital natürlich -, brauche ich nur noch auf bspw. eine bestimmte zu erwerbende Kompetenz klicken und erhalte gleich mehrere – natürlich ebenfalls digital vorliegende – Vorschläge, was alles die jeweilige Kompetenz berühren könnte… Pustekuchen! Das darf nicht sein! Her mit den Pappordnern, auf dass sie von uns durchforstet werden! Jedes Jahr aufs Neue! Wir haben ja sonst nichts zu tun!
  • Aber Moment! Wie ist das denn, wenn ich eine Seite (nur 1 Mal!) kopiere und daraus etwas schneide und aufklebe und das dann kopiere? Ich glaube, dass darf ich. Oder doch nicht?

Was ist das alles hanebüchen…

Es ist nicht zu fassen – da müht man sich tagaus tagein ab, dass der Unterricht so durchgeführt werden kann, wie er soll (nämlich auf die Kinder zugeschnitten); da müht man sich ab, den Kolleginnen und Kollegen den Computer näherzubringen – und alles um zu erfahren, dass die Schulbuchverlage um des lieben Geldes willen dafür sorgen wollen, dass Schule in der digitalen Steinzeit hängenbleibt???

Und ganz fatal: Die BRD erklärt sich bereit, dafür zu sorgen, dass diese Verlagsinteressen auch durchgesetzt werden… Unglaublich.

Was lerne ich daraus? – Fazit

Ich werde sehr viel verstärkter als bislang mein Unterrichtsmaterial selbst erstellen und möglichst viel davon online auch anderen LehrerInnen zur Verfügung stellen. Auf dass es möglichst viele Kolleginnen und Kollegen ebenso tun und damit die Monopolstellung der Schulbuchverlage außer Kraft gesetzt wird.

Schade nur, dass dadurch sehr viel Arbeitszeit, die auch anderen wichtigen Dingen gewidmet werden könnte (Schulentwicklung!), für Materialerstellung draufgeht – und nun muss ich sogar jedes Bild selber malen, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Hmpf, da muss ich mich also doch noch genauer mit den common-license-Dingen befassen, wenn ich Sachen online zur Verfügung stelle. Na denn. Am besten jetzt sofort.

Willkommen im 21. Jahrhundert, werte Schulbuchkapitalisten!

Nov 182008
 

An dieser Stelle möchte ich – für diejenigen, die es noch nicht wissen – auf eine in meinen Augen sehr wichtige Demo hinweisen, die am

Freitag, d. 21.11.08, um 15 Uhr ab Audimax

der Uni Hamburg stattfinden wird:

Die Demo ist Teil des Protestes gegen die Kürzung der Mittel der Erziehungswissenschaften an der Uni HH um 9 %, aber auch gegen die Aufrechterhaltung von Studiengebühren und den geplanten Umzug der Uni in die Hafencity.

Hier der Aufruf zum Download:

demoaufrufgipfel

Außerdem noch wichtige Links:

Der Fachschaftsrat Erziehungswissenschaften der Uni HH:

http://webapp5.rrz.uni-hamburg.de/fsr-db/Joomla/

Der EduCommSy-Raum der Planungsgruppe:

http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&DEST=http%3A%2F%2Fwww.educommsy.uni-hamburg.de%2Fcommsy.php%3Fcid%3D1476605

Die Studierendengruppe der GEW:

http://gewstudis.blogsport.de

Nov 152008
 
soviel zum Thema…
und das ausgerechnet von einem Mitglied von Die Linke! Da hat Herr Heilmann wohl was nicht verstanden…
Hier ein Artikel von:

http://www.tagesschau.de/inland/heilmann100.html

Linke-Abgeordneter sieht “falsche Tatsachenbehauptungen”

Politiker löst mit Wikipedia-Sperrung Empörung aus

picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Linken-Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann ließ den Zugang zu wikipedia.de sperren. ]
Wer derzeit die deutschsprachige Ausgabe des Internet-Lexikons Wikipedia besuchen will, wird unter der Domain “www.wikipedia.de” nicht fündig. Stattdessen erkärt ein Hinweis den Nutzern, dass der Politiker Lutz Heilmann, der für die Partei Die Linke im Bundestag sitzt, beim Landgericht Lübeck am 13. November 2008 eine einstweilige Verfügung gegen den Domain-Inhaber Wikimedia Deutschland e.V. erwirkt habe.

Wikimedia Deutschland darf nicht auf die eigentlichen Inhalte des Online-Lexikons weiterleiten, so lange dort bestimmte Äußerungen über Lutz Heilmann verbreitet werden. Wikimedia Deutschland kündigte Widerspruch gegen den Beschluss des Landgerichts an.

Politiker: “Falsche Tatsachenbehauptungen”

Der in Lübeck wohnende Heilmann erklärte gegenüber dem Onlinedienst Heise.de, dass in dem Wikipedia-Artikel zu seiner Person “falsche Tatsachenbehauptungen, die geeignet sind, meinen Ruf zu schädigen” gemacht würden. Er habe auch gegen drei Autoren des Artikels Strafanträge gestellt. “Wenn die falschen Behauptungen verschwinden, werde ich die Einstweilige Verfügung sofort außer Kraft setzen”, sagte Heilmann, selbst Jurist, gegenüber Heise.

Screenshot Wikipedia.de [Bildunterschrift: Keine Inhalte unter dieser Adresse: Ein Hinweis unter der Adresse www.wikipedia.de informiert, dass die Weiterleitung auf das Lexikon unterbrochen ist. ]

Vorgehen sorgt für Echo im Web

Der betreffende Artikel über Heilmann ist allerdings unverändert abrufbar: Alle Artikel der deutschsprachigen Wikipedia liegen ohnehin auf Server der Wikimedia Foundation in den USA und sind unter der Adresse de.wikipedia.org weiter erreichbar.

Zugleich hat Heilmann mit seinem juristischen Vorgehen vermutlich genau das Gegenteil von dem erreicht, worum es ihm ging: Wikipedia-Nutzer ärgerten sich über die in seinem Namen erwirkte Sperrung. Die allermeisten Surfer dürften erst dadurch auf die auf Heilmann und die von ihm “als falsche Tatsachenbehauptungen” bezeichneten Äußerungen aufmerksam geworden sein. Online-Medien und Weblogs berichteten über die Sperrung. In Foren und Weblogs disktuierten Internet-Nutzer über Heilmanns Vorgehen und die Vorwürfe, die mögliche Stasi-Verwicklungen und das Privatleben Heilmanns betreffen sollen. Gegen dieses Web-Echo wird Heilmann kaum vorgehen können – es bleibt auf absehbare Zeit bei der Suche nach seinem Namen im Internet erhalten. Heilmanns eigene Internet-Seite ist offenbar unter erhöhtem Nutzer-Interesse zusammengebrochen.