Apr 282009
 

Heute war ich wieder in der Ringvorlesung Medien&Bildung der Uni Hamburg, diesmal referierte Prof. Dr. Rudolf Kammerl:

“Du bist doch schon süchtig! – Wenn die Kinder aus der Perspektive der Eltern die Kontrolle über ihre Mediennutzung verlieren: Kontrollzuschreibungen im Kontext medialer Transformation”

Stichwort: Dysfunktionalität als ein Merkmal suchtähnlichen Verhaltens beim Bewegen im Internet.

Kann es für Jugendliche nicht manchmal (und vielleicht auch nur für den Moment) sehr funktional sein, sich – eben durch/mit Hilfe von, sagen wir, „exzessiver“ Internetnutzung – der Familie zu entziehen ( – und damit möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen), soziale Kontakte der Lebenswelt zu „vernachlässigen“ ( – um sie entweder in der virtuellen Welt weiterzupflegen oder umzudefinieren oder gänzlich neue zu knüpfen), in der Schule die von ihm erwarteten Leistungen nicht zu zeigen ( – da bei diversen Internetnutzungen wesentlich höhere Leistungen erforderlich sind bzw. dortige Anwendungen viel zukunftsweisender sind) ? Ist somit die „Dysfunktionalität“ nicht eher der heutige gesellschaftliche Blick auf das Verhalten – welche sich für den User möglicherweise als genau das Gegenteil, Funktionalität nämlich, darstellt?

Oder habe ich beide Begriffe vielleicht falsch verstanden? Bitte, es sind nur Fragen – keine Thesen!

Ein für mich viel bedeutenderes Merkmal suchtähnlichen Verhaltens ist das der fehlenden oder mangelhaften Selbstkontrolle. Quasi Fremdbestimmtheit durch das Netz. Und hier, denke ich, müssen Schulen und Elternhäuser tatsächlich noch viel a) selbst lernen und b) klug handeln.

Apropos, hier eine kleine leicht zynische Randbemerkung: Wenn Lehrende heute sich besonders darum bemühen, mit den digital natives genau diese Dinge einzuüben, kann es dazu führen, dass diese Lehrenden ihre eigenen sozialen Kontakte vernachlässigen. Also zeigen diese Lehrenden auch schon Merkmale suchtähnlichen Verhaltens? :-)

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